Homegate und Co.: Börsengang der Swiss Marketplace Group (SMG)
- IREM Team

- 7. Sept.
- 3 Min. Lesezeit

Einleitung
Die Swiss Marketplace Group (SMG) plant einen Börsengang an der SIX Swiss Exchange – eine Entwicklung von hoher Tragweite für die Schweizer Digitalwirtschaft. SMG, ein seit 2021 bestehendes Joint Venture der TX Group, Ringier, der Mobiliar und General Atlantic, betreibt eine breite Palette führender Onlineplattformen in den Bereichen Immobilien, Fahrzeuge, Finanzdienstleistungen und General-Marktplätze.
Ziel der Neuemission ist es, etwa 1 Milliarde Schweizer Franken durch den Verkauf bestehender Anteile einzusammeln, was das Unternehmen auf rund 4,5 Milliarden Franken bewertet. Eingesetzt werden die Mittel nicht zur Kapitalbeschaffung für Wachstum, sondern als Verkaufsvehikel für bestehende Anteilshalter – das heißt, ein klassischer Secondary Offering.
Strategische Perspektive
Für SMG stellt sich der IPO als logischer Schritt dar, um eine breitere Aktionärsbasis zu etablieren und die Strategiefreiheit zu erhöhen. Der Börsengang soll die Position des Unternehmens als dominierender digitaler Marktplatz weiter festigen und das Wachstum vorantreiben.
Marktanalysten sehen darin auch ein Signal für eine erhoffte Belebung des europäischen IPO-Marktes: Mit gerade einmal 7,2 Milliarden US‑Dollar an Erlösen bisher im Jahr 2025 liegt Europa deutlich hinter dem Rekordjahr 2021 (63 Milliarden US‑Dollar) zurück.
Finanzielle Leistungsdaten
SMG konnte in 2024 Umsätze von rund 291 Millionen Schweizer Franken erwirtschaften und präsentierte eine bereinigte operative Marge von 48 %. Für 2025 wird ein Umsatzwachstum von 13–15 % prognostiziert, begleitet von einer Marge im mittleren 50 %-Bereich. Diese beeindruckenden Zahlen illustrieren das profitträchtige Geschäftsmodell von SMG und bieten potenziellen Investoren solide finanzielle Grundlagen.
Kritische Einordnung
Monopolrisiken und Wettbewerb
Bereits seit der Gründung wird SMG aufgrund seiner dominanten Stellung im Schweizer Markt kritisch gesehen: Der Preisüberwacher hat Preiserhöhungen um bis zu 15 % bei Inseraten bemängelt, insbesondere bei Plattformen wie Homegate und ImmoScout24. In einem Fall wurde ein Inseratspreis von 450 auf 4000 Franken angehoben – ein klarer Hinweis auf mögliche Marktbeherrschung, der zu einem offiziellen Verfahren führte.
Soziale Auswirkungen
Das von SMG eingeführte Abo-Modell für Wohnungssuchende (Vorfahrt für zahlende Nutzer bei neuen Inseraten) ruft insbesondere bei einkommensschwächeren Personen Kritik hervor. Sie könnten gegenüber zahlungsfähigen Interessenten diskriminiert werden, was soziale Ungleichheit verschärft.
Gewinnmitnahmen statt Wachstumskapital
Da der IPO ausschließlich ein Secondary Offering ist, fließt das Geld bestehender Anteilseigner zu – es stärkt nicht die Bilanz oder Unternehmensinvestitionen. Kritiker betonen, dass ein IPO mit frischem Kapital sinnvoller wäre, um langfristigen Mehrwert zu schaffen.
Timing-Sensibilität
Die Entscheidung fällt in einem schwierigen IPO-Klima: In Europa herrscht Zurückhaltung bei Investoren, die Volatilität und geopolitischen Unsicherheiten setzen neue Listings unter Druck. Das macht den Erfolg des IPO stark abhängig von externen Marktbedingungen.
Gesamtbewertung
Pro-Bewertung:
Finanzielle Stabilität: Attraktive Margen, robustes Wachstum, breite Marktführerschaft.
Strategische Flexibilität: Börsengang könnte SMG stärken, indem er Sichtbarkeit und Kapitalstruktur optimiert.
Signalwirkung: Könnte anderen Schweizer Tech-Firmen Mut machen, dem Kapitalmarkt zu vertrauen.
Contra-Bewertung:
Marktkritik & regulatorische Risiken: Verdacht auf marktbeherrschendes Agieren und mögliche Kartellverfahren.
Soziale Verantwortung: Monetarisierung könnte prekäre Gruppen benachteiligen.
Kein frisches Kapital: IPO dient nicht der Finanzierung von Innovation oder Expansion.
Abhängigkeit vom IPO-Markt: Zeitpunkt und Marktstimmung bleiben Schlüsselfaktoren für Erfolg.
Fazit
Der geplante Börsengang der SMG ist ein ambivalentes Signal: Einerseits unterstreicht er die wirtschaftliche Stärke und den Ausbau digitaler Plattformen in der Schweiz, andererseits wirft er Fragen hinsichtlich fairen Wettbewerbs, sozialer Verantwortung und tatsächlicher Kapitalverwendung auf.
Für SMG wäre ein IPO mit Emission neuer Aktien – verbunden mit klaren Investitionsabsichten – nachhaltiger und zukunftsgerichteter. Gleichwohl: Mit dem jetzt geplanten IPO wird SMG zum Prüfstein dafür, ob der Schweizer Markt bereit ist für neue Digitalchampions – aber ebenfalls dafür, wie der öffentliche Markt auf Unternehmen reagiert, die zwar finanziell stark, aber gesellschaftlich umstritten agieren.




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